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Manche Menschen können aus einem simplen „Nein“ ganz schnell einen kompletten Charakterfehler machen. Hier erzähle ich dir, warum verletzende Worte körperlich nachwirken – auch bei mir – und welche ganz einfachen Körperübungen deinem Vagus sagen „alles okay mit mir“ und so deinem Nervensystem helfen, zu entspannen.

Charakterfehler oder Charakterstärke?

Bestimmt kennst du das: Worte werden als Waffe eingesetzt und dann entladen sich Vorwurfsätze, dass dir der Kopf beim Zuhören schwirrt. Und du dich fragst, hä?, wo kommt das denn jetzt her, was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht?

Letzteres fragst du dich, wenn du so tickst wie ich. Ich suche, sozusagen, die Schuld zuerst immer bei mir (Erziehung?!), selbst wenn der Vorwurf völlig abstrus ist. Bullshit Bingo in Reinkultur. Zum Glück kenne ich inzwischen diese Mechanismen und denke mir, aha, ein Gefühl von Schuld, ok, warum?

Drei Beispiele aus meiner jüngsten Vergangenheit: 

1. Ich bin die, die immer am letzten Urlaubstag Streit vom Zaun bricht.

2. Ich bin die, die an Weihnachten alle auslädt.

3. Ich bin die, die eine erkrankte Kollegin nicht unterstützen will.

Und plötzlich bist du egoistisch, lieblos, schwierig oder Schuld daran, dass Weihnachten, der Urlaub oder gleich die ganze Stimmung verdorben sind.

Drei Vorwürfe, drei Entscheidungen – und was wirklich dahinter steckt

Dabei ist eigentlich nur das hier passiert:

Am letzten Urlaubstag mit Hitze ist mir der Schatten wichtiger als die vollsonnige Aussicht (ääähm, überhaupt an JEDEM Urlaubstag).  

An Weihnachten bin ich nach Jahrzehnten mütterlicher Feiertags-Ausrichterei lieber in den Urlaub gefahren. 

An Unterstützung kann ich das anbieten, was nicht zum zweiten Mal im Jahr zu uferlosen Überstunden führt.

Was alle diese drei – übrigens recht distanzlos bis gemein – in meine Richtung geschleuderten Vorwürfe gemeinsam haben, ist: Ich bin die, die sich für sich selbst und ihre Bedürfnisse einsetzt, also die, die Selbst-Fürsorge über Fremd-Fürsorge stellt. 

Der Körper hat das Gespräch noch nicht beendet

Während mein Kopf noch versucht, den Vorwurf auseinanderzunehmen oder richtig zuzuordnen, macht mein Körper längst etwas ganz anderes: Schweißausbruch, Mund wird trocken, Gehirn ist weggelaufen und Stimme kann nicht mehr antworten. 

Ich habe das schon immer körperlich gespürt. Wir können Situationen gedanklich analysieren, uns zehnmal erklären, warum wir richtig gehandelt haben, und trotzdem bleibt dieses unangenehme Gefühl im Körper zurück.

Vielleicht kennst du das als Traurigkeit, Besorgnis, Druck in der Brust oder im Bauch, plötzlich auftretende Müdigkeit bis Erschöpfung und manchmal auch ein wenig Verzweiflung. Und natürlich fällt dir die brillante Antwort erst drei Stunden später ein. Hätte die alles aufgelöst? Ich glaube, nein. Denn es gibt Menschen, die können eine andere Meinung oder Entscheidung akzeptieren. Es gibt jedoch auch genauso die Menschen, die erst zufrieden sind, wenn du genau das tust, was sie möchten. 

Was in uns zurückbleibt, wenn wir für uns einstehen mussten: Atmung, Herzschlag, Muskelspannung, Verdauung und unsere allgemeine körperliche Regulation verändern sich, wenn wir unter Stress stehen – und sinnlose Vorwürfe, die Schuldgefühle machen, SIND Stressauslöser.

DAS ist übrigens mein Antrieb, mich immer wieder mit einer körperlich spürbaren Lösung zu beschäftigen. Kognitiv reicht es mir nicht zu sagen, nö, ich bin weder eine Urlaubsverderberin noch eine schlechte Kollegin. Der Vagus ist als Teil des autonomen Nervensystems an vielen dieser Regulationsprozesse beteiligt. Und hier können wir einhaken.

Wenn du weißt, dass deine Entscheidung richtig war – und du dich trotzdem schlecht fühlst

Erstens: Enttäuschung ist nicht dasselbe wie Unrecht

Jemand darf enttäuscht sein. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast.

Zweitens: Eine körperliche Stressreaktion ist kein Beweis dafür, dass der andere recht hat

Gerade Frauen, die sich schnell selbst infrage stellen, könnten körperliche Aufregung unbewusst als Bestätigung interpretieren: „Wenn mich das so trifft, muss ich wohl was falsch gemacht haben.“

Nein. Der Körper reagiert auf die Situation – nicht auf die moralische Richtigkeit des Vorwurfs.

Drittens: Erst regulieren, dann bewerten

Nicht unmittelbar nach einem verletzenden Gespräch die komplette eigene Persönlichkeit analysieren und in Frage stellen. Erst einmal: Atmen. Hände auf den Bauch. Eine Runde um den Block. Vagusübung Sonnenhand.

Vagus Übungen für deine emotionale Geborgenheit

„Sonnengeflecht“ – das Wort hat gleich mehrere Ebenen: Es erinnert uns an den Sommer, an Wärme und Licht, gleichzeitig an den Solarplexus – jenen Bereich, in dem wir Kränkungen, Angst und Anspannung oft ganz körperlich spüren. Denn genau dort „zieht sich“ bei verletzenden Worten häufig alles zusammen.

Sonnengeflecht

WENN DEIN HERZ WEISS

DASS DEINE ENTSCHEIDUNG RICHTIG WAR

ES DICH ABER TROTZDEM SCHMERZT

☀️ Sonnenhand ☀️

️ So geht’s:

  • Lege beide Hände übereinander auf deinen Oberbauch – genau dorthin, wo sich dein Sonnengeflecht befindet. Bilde aus deinen Händen eine Sonne.
  • Atme ruhig und tief.
  • Schließ die Augen und spür die Wärme deiner Hände.
  • Mit jedem Ausatmen stell dir vor, wie sich unter deinen Händen Druck und negative Emotionen „wegstrahlen“ und auflösen.
  • Bleib so für 1 bis 3 Minuten.
  • Lass vor deinem inneren Auge DEINE VERÄNDERUNG entstehen und dich von deiner Sonne wärmen

🌻 Als SOS-Variante:

  • Stell dir vor, dein Oberbach wäre eine Sonnenblume.
  • Mit jeder Einatmung richtet sich die Blüte mehr zur Sonne aus.
  • Mit jeder Ausatmung lässt sie alles los, was sie heute beschwert.

🌞 Sonnenlächeln 🌞

🌞 So geht’s:

  • Schließe die Augen. Atme tief und ruhig.
  • Lächle ganz leicht – nur so viel, dass deine Gesichtszüge weich werden.
  • Stell dir vor, dieses kleine Lächeln wandert langsam in deinen Brustkorb. Weiter zum Sonnengeflecht
  • Und breitet sich dort wie warmes Sonnenlicht aus.
  • Bleibe für einige Atemzüge bei diesem Gefühl des Lächelns.

️ 🌞 🌻 Warum das gut ist:

=> Dein Nervensystem erhält die Botschaft:

Es ist vorbei. Ich bin jetzt in Sicherheit.

Ich bin richtig, so wie ich bin.

=> Tiefes Ausatmen beruhigt den Körper und aktiviert den parasympathischen Anteil des Nervensystems, zu dem der Vagusnerv gehört.

=> Unser Gehirn reagiert erstaunlich stark auf positive innere Bilder; diese transportieren einen Zustand von Ruhe und Sicherheit.

Die letzte Übung stammt aus der Tradition des sogenannten Inner Smile – ein sanftes Lächeln aktiviert die Lebensenergie im Körper und wirkt harmonisierend.  

Jetzt bist du dran!

Welche (alten) Worte verdunkeln im Moment dein Sonnengeflecht?

Was möchtest du heute ganz bewusst in der Sonne stehen lassen – statt es weiter mit dir herumzutragen?

Bleib deinem Licht treu – auch dann, wenn andere lieber ihre Schatten verteilen. Ich wünsche dir, dass dein Sonnengeflecht immer wieder zu dem Ort wird, an dem Wärme, Vertrauen und Gelassenheit zuhause sind – ganz gleich, was um dich herum geschieht.

Ich bin Brigitte Elisabeth, Stresscoach & Entspannungsexpertin.

In meiner Arbeit spielt der Vagus eine wichtige Rolle – nicht als schnelle Lösung für alles, sondern als ein Weg, den eigenen Körper besser zu verstehen und gezielt zu unterstützen.

In meinem 1:1 Coaching begleite ich Frauen online dabei, ihren Umgang mit Stress zu verändern und wieder mehr körperliche und emotionale Stabilität zu entwickeln – persönlich, individuell und
mit ganz viel Raum für das, was gerade bei dir los ist.

Schreib mir einfach eine E-Mail. Ich freue mich, von dir zu hören: kontakt@brigitte-elisabeth-meyer.de